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Abfindung - Steuern und Sozialabgaben

Sozialabgaben fallen bei einer Abfindung nicht an. § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV würde zwar auch einmalige Zahlungen erfassen. Anders als etwa ein Weihnachtsgeld wird die Abfindung nicht dem Beschäftigungsverhältnis zugeordnet, das Bundessozialgericht führt hierzu aus:  

Wichtig: Häufig übersehen wird die – konsequente – Beitragspflicht, wenn eine Abfindung gezahlt wird bei

  • Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen oder
  • Umwandlung eines Vollzeitarbeitsverhältnisses in eine geringfügige Beschäftigung.

Hier handelt es sich nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts um eine Entgeltkompensation, die der Beschäftigte von seinem Arbeitgeber als Gegenleistung für die Zeit einer Beschäftigung erhält (so z.B. auch in jüngerer Vergangenheit SG Dortmund, 20.10.2006, S 34 R 217/05). 

Steuern fallen dagegen grundsätzlich in vollem Umfang an. Der Arbeitgeber muss wie bei allen anderen steuerpflichtigen Lohnbestandteilen auch die auf die Abfindung entfallende Lohnsteuer einbehalten und abführen. 

Es gibt allerdings eine Sonderregelung, die so genannte „Fünftelregelung“, zu finden in § 34 Abs. 1 Satz 1 Einkommensteuergesetz (EStG).

Ausführlich hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Fuenftelregelung 

Die Fünftelregelung hilft somit nur denjenigen, die erst durch die Abfindung einem deutlich höheren Steuersatz unterworfen wären. Gutverdiener mit einem regulären zu versteuernden Jahreseinkommen ab 52.882 EUR (Ledige, Verheiratete das Doppelte) sind dagegen bereits bei der oberen Grenzsteuermarke von 42 % angekommen und zahlen entsprechend. Sie haben von der Fünftelregelung nichts. (Steuerlich könnte dann eine Einzahlung in die betriebliche Altersversorgung interessant sein, da pauschalversteuert nach § 40 b EStG.)

Die Abfindung ist erst in dem Jahr zu versteuern, indem sie auch zufließt.
Kündigt also ein Arbeitgeber auf den 31.12. eines Kalenderjahres, können die Beteiligten durchaus vereinbaren, dass die Abfindung erst zum 15.01. des Folgejahres ausgezahlt wird, damit liegt der Zufluss im Folgejahr und die Versteuerung auch erst im Folgejahr.

Gemäß § 11 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Einnahmen innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind. Nicht laufend gezahlter Arbeitslohn ist in dem Kalenderjahr bezogen, in dem er dem Arbeitnehmer zugeflossen ist. Der Zufluss ist zu bejahen, sobald der Steuerpflichtige über den Arbeitslohn wirtschaftlich verfügen kann. Die Fälligkeit eines Anspruchs allein -- vor seiner Erfüllung -- führt noch nicht zu einem gegenwärtigen Zufluss. (BFH, Urteil vom 11.11.2009; IX R 1/09)

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Exkurs: Typische Probleme der Lohnbuchhaltung in der Praxis:
Da der Mitarbeiter zum 31.12. ausscheidet, ist die Lohnbuchhaltung versucht, den Abfindungsbetrag ebenfalls im alten Jahr zu verbuchen, der Mitarbeiter müsste sonst "neu angelegt" werden.
Außerdem müsste der zufließende Betrag mangels Lohnsteuerkarte mit Lohnsteuerklasse 6 abgerechnet werden.
Dies ändert aber nichts an der formal richtigen Zuordnung eines Zuflusses im nachfolgenden Kalenderjahr. Erfolgt eine falsche Zuordnung, muss der Mitarbeiter wiederum auf einer Korrektur bestehen, ansonsten ist zwar Lohnsteuer für ihn abgeführt worden, diese muss er sich aber dann über die Antragsveranlagung zurückholen - und der Zufluss im neuen Jahr durch die Abfindung bleibt auch unverändert steuerpflichtig.