Ein starkes Team…
…wenn’s drauf ankommt.

Zeugniscode

Immer wieder stellt sich die Frage, wann eine Formulierung verschlüsselte Kritik oder ein „Geheimcode“ ist unter den Arbeitgebern. 

Ein wirklicher Geheimcode existiert nicht, geschweige denn, dass dieser geheim bleiben würde. Dazu sind viel zu viele Personen mit der Erstellung von Zeugnissen beschäftigt. Ein Geheimcode wäre natürlich auch nicht zulässig, weil er der Vorgabe an das Zeugnis, der Zeugnisklarheit, widersprechen würde. 

Was es aber immer wieder gibt, sind Formulierungen, die sich an die Vorgabe des Gesetzgebers halten, das Zeugnis wohlwollend zu formulieren. Wenn der Arbeitgeber jetzt gleichzeitig versucht, den Leser nicht zu täuschen, gilt: 

Wohlwollend und wahr = wohlklingend 

Daraus ergeben sich nahezu zwangsläufig Formulierungen, die missverständlich, weil abgestuft positiv sind.

Das bekannteste Beispiel ist sicherlich die zusammenfassende Leistungsbeurteilung: 

1 = stets zu unserer vollsten Zufriedenheit

2 = stets zu unserer vollen Zufriedenheit

3 = zu unserer vollen Zufriedenheit

4 = zu unserer Zufriedenheit 

Die Mehrzahl der Mandanten, denen diese Formulierungen nicht geläufig sind, waren völlig überrascht. 

Ebenso ist die folgende Gesamtbeurteilung für den ungeübten Leser schwer einzuordnen:

„Herr X scheidet mit dem heutigen Tag auf eigenen Wunsch aus unserem Unternehmen aus. Wir wünschen ihm für die Zukunft viel Erfolg.“ 

Nur der geübte Leser erkennt, dass der Ersteller

- Das Ausscheiden nicht, wie sonst üblich, bedauert

- Auch fehlt ein Dank für die geleistete Arbeit

- Der zweite Satz, genau genommen, bedeutet, dass er bisher keinen Erfolg hatte, sonst wäre es ja „weiterhin viel Erfolg“ 

Beredtes Schweigen

Während die vorstehenden Formulierungen meist noch mithilfe von Google nachvollzogen werden können, ist der Arbeitnehmer aber nicht in der Lage, Weggelassene Bestandteile eines Zeugnisses zu erkennen.

Fehlt etwa von mehreren Teilen der Leistungsbeurteilung (Fachkenntnisse, Fachkönnen, Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft, Belastbarkeit, Denk- und Urteilsvermögen) eine Aussage über nur eine dieser Komponenten, erkennt nur der geübte Leser, dass hier Vorbehalte angebracht sind. 

Auch die folgende Formulierungen ist zumeist bewusst eingesetzt: 

Kennen gelernt

"Wir haben Herrn K. als sehr interessierten und hochmotivierten Mitarbeiter kennen gelernt, der stets eine sehr hohe Einsatzbereitschaft zeigte"

Dies zeigt mir zunächst nur, dass ich ihn so kennen gelernt habe. Ob die angeführten Eigenschaften tatsächlich vorliegen, steht in den Sternen. Gerade, dass das BAG diese Formulierung zugelassen hat in einer Entscheidung vom 15.11.2011, 9 AZR 386/10 macht diese in meinen Augen sehr gefährlich.

Und überschwängliche Formulierungen zu Begeisterung, Interesse, Fleiß, Motivation etc. ohne positive Benotung des Erfolges zeigen dem geübten Leser die Diskrepanz zwischen Aufwand und Ertrag.